Presskraft

Bei Pressen: Kraft, mit welcher der Pressdruck auf das Werkstück wirkt.

Einheiten

Üblicherweise wird die Presskraft in t angegeben. Das ist zwar physikalisch nicht korrekt, in der Praxis jedoch ausreichend, da eine Tonne ungefähr einer Gewichtskraft von 100 kN entspricht. Die Presskraft ist flächenunabhängig. Somit wirkt immer dieselbe Kraft, unabhängig von der Auslegung der Presse. Allerdings nimmt der spezifische Pressdruck auf das Werkstück ab, je mehr die Presse ausgelegt ist. Dies spielt insbesondere bei Furnierpressen eine wichtige Rolle.

Andere Begriffe

Betriebsdruck (max.) in bar: Der Gesamt-Betriebsdruck des Hydrauliksystems. Ohne zusätzliche Informationen ist diese Angabe für die Ermittlung des Pressdrucks oder der Presskraft nicht nutzbar.

Pressdruck kg/cm², spezifischer Pressdruck in kg/cm²

Druckerzeugung

Folgende Möglichkeiten der Druckerzeugung werden bei Pressen zur Holzbearbeitung genutzt:

Manuell

  • Ausübung der Presskraft mit Hilfe einer Zahnstange, welche von einer Handkurbel gespannt und mittels Klemmvorrichtung arretiert wird
  • Vorteile:
  • niedriger Anschaffungswert, keine Wartungskosten
  • unabhängig von Strom- und Druckluftnetz, dadurch schneller Standortwechsel in der Werkstatt möglich
  • Nachteile:
  • Druck muss in jedem Presselement separat von Hand aufgebaut werden, dadurch mit steigender Anzahl an Zylindern steigende Taktzeit

Pneumatisch

  • Ausübung der Presskraft über Pneumatikzylinder
  • Versorgung der Pneumatikzylinder mit Druckluft aus dem Druckluftnetz des Betriebes
  • Vorteile:
  • relativ kostengünstige Herstellung der Pressen
  • Verwendung von Luftschläuchen ermöglicht die Herstellung von Werkstücken mit bogenförmiger Kontur, z.B. Treppenstufen
  • Nachteile:
  • nur begrenzter Druckaufbau möglich
  • Einsatzgebiete:
  • Pneumatische Druckzylinder: Rahmenpressen, Korpuspressen
  • Luftschläuche: Lamellierpressen im handwerklichen Treppenbau, kompakte, 'leichte' Furnierpressen, z.B. JOOS Junior
  • Lochplattenpressen, Schubkastenpressen

Handhydraulisch

  • Ausübung der Presskraft über Hydraulikzylinder
  • Druckaufbau mittels Handhebelpumpe an jedem einzelnen Zylinder
  • Vorteile:
  • unabhängig vom Strom- und Druckluftnetz, dadurch schneller Standortwechsel in der Werkstatt möglich
  • Aufbau hoher Drücke möglich
  • relativ kostengünstig
  • Nachteile:
  • Druck muss in jedem Zylinder separat von Hand aufgebaut werden, dadurch mit steigender Anzahl an Zylindern steigende Taktzeit
  • Druck nicht über Manometer dosierbar
  • Einsatzgebiete:
  • Rahmenpressen
  • handwerkliche Lamellierpressen
  • Lochplattenpressen, Schubkastenpressen
  • handwerkliche Korpuspressen, z.B. BARTH RP

Elektrohydraulisch

  • Ausübung der Presskraft über Hydraulikzylinder
  • Druckaufbau mittels elektrisch angetriebener Hydraulikpumpe
  • Vorteile:
  • Erzeugung sehr hoher Drücke möglich
  • Konstruktion von Pressen mit sehr vielen Zylindern möglich durch eigenes Hydraulikaggregat
  • Nachteile:
  • Anschaffungs- und Wartungskosten höher
  • Anwendungsgebiete:
  • Furnierpressen, Furnierpresse im Durchlauf
  • industrielle Verleimpressen, Durchlauf-Verleimpressen
  • automatische Rahmenpressen für Großserienfertigung, z.B. HESS Hydrolux

Elektromotorisch

  • Ausübung der Presskraft über Pressbalken welche durch elektromotorisch angetriebene Gewindespindeln bewegt werden
  • Vorteile:
  • Zustellen des Pressbalkens sowie Ausübung der Presskraft kann in einem Arbeitsgang mit einem Aggregat erfolgen (automatische Pressen)
  • Einsatzgebiete:
  • Korpuspressen, z.B. COMIL Cosmo NK

Bilder

Rahmenpresse, manuell
BARTH, 2012
Schubkastenpresse, pneumatisch
GRASS, 1993
Verleimpresse, schlauch-pneumatisch
COLUMBUS, 1997
Rahmenpresse, elektrohydraulisch
S+S, 1997
Bedientafel für Elektrohydraulik
S+S, 1997
Furnierpresse, elektrohydraulisch
STETON, 2003